Krone Krone

(Vreden-) Zwillbrock, St. Franziskus

Einem Orgelbauer aus der Familie Klausing oder der Werkstatt Böntrup und Martens (Vreden) zuzuschreiben, um 1720

Erhaltungszustand: Gehäuse original sowie Teile des Registerbestands; nach zahlreichen Umbauten 1962-65 mit neugebautem Pedalwerk rekonstruiert (rekonstrierte Register „R“).

Das Instrument ist ein auf den ersten Blick geradezu erstaunlich disponiertes Instrument: Den beiden relativ großzügig ausgebauten Manualwerken steht kein Pedal als drittes Werk gegenüber; die Pedalklaviatur ist lediglich an das Hauptwerk angehängt, das allerdings die klanglichen Funktionen eines Pedals (16’-Fundamentierung, Akzentuierung mit einer kräftigen Zungenstimme, mögliche Linienführung in mittleren und höheren Klangbereichen) mit zu erfüllen in der Lage ist – allerdings ohne möglichen Klangkontrast zum Hauptwerk. Diese unorthodoxe Lösung fügt sich in heutiges Verständnis kaum ein, und so wurde im 20. Jahrhundert ein Pedalwerk hinzugefügt.

Die Rekonstruktion der 1960er Jahre zeigte viele Elemente der damaligen Auffassungen von Orgelrestaurierungen im Geiste der Orgelbewegung. Dabei orientierte man sich kaum an Befunden am Original, sondern passte die vorgefundenen Bauelemente wie Pfeifen, Windladen etc. einer Idealvorstellung einer barocken Orgel zur Interpretation Bachscher Werke an. Da zudem moderne Werkstoffe von geringer Dauerhaftigkeit verwendet wurden, wurde bereits nach einem halben Jahrhundert eine neuerliche Sanierung und Restaurierung erforderlich, die 2015 abgeschlossen wurde.

(Q: Karl Heinz Orriens und Hans-Wolfgang Theobald: Die Zwillbrocker Orgel und ihre Sanierung 2015; Auszug aus der Festschrift zur Wiedereinweihung am 17.Mai 2015. Pdf auf der website www.barockkirche-zwillbrock.de/orgel/)

Disposition:

Disposition (um 1720; archivalisch erschlossen):
II (+aP)

HW:
Principal 8’
Bordun 16’
Gedackt 8’
Quinte 6’
Oktav 4’
Hollflöte 4’ (R)
Octav 2’
Sesquialtera 2f.
Mixtur 2’ 3f.
Zimbel ½’ 2f. (R)
Trompete 8’

Pos:
Principal 4’
Gedackt 8’
Gedacktflöte 4’
Waldflöte 2’
Quinte 1 1/3
Mixtur 1’ 3f.
Vox humana 8’

Manualkoppel
Pedal an HW angehängt

ursprüngliche Tonumfänge C-c3 (kurze Oktave)

 
 
 
 

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