

Mit dem Instrument eines unbekannten Erbauers besitzt die Eastman School of Music eine sehr große italienische Orgel und die bisher einzige in den USA. Die Studenten können nun italienische Orgelmusik auf einem authentischen Instrument kennenlernen.
Die Orgel stammt allem Anschein nach aus Mittelitalien, wo die wichtigsten Teile vermutlich Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut worden sind. Dafür sprechen der Befund an der Windlade, den Umfängen von Manual und Pedal sowie die Disposition.
Um 1770 wurde die Orgel verändert, um mehr Register einbauen zu können,
die man damals für notwendig hielt. Die Register Tromboncini, Flauto in
ottava und Flauto in XVII sowie Contrabassi kamen hinzu, die
Windversorgung wurde komplett ersetzt. Dazu baute man zwei neue,
mehrfaltige Bälge. Die ursprüngliche Windlade hatte hauptsächlich aus
einem Nussbaum-Block bestanden, aus dem die Kanzellen ausgestochen
worden waren. Diese Konstruktion nahm man nun an einer Seite von links
nach rechts auseinander, um – ebenfalls in Nussbaumholz – einen
zusätzlichen Block ansetzen zu können, der Platz für die neuen Register
schaffen sollte. In diesen Block wurden nun die Verlängerungen der
Kanzellen in genau der Manier wie vorgefunden eingestochen. Auch die
neuen Schleifen und Stöcke gleichen den ursprünglichen exakt. Die
Aufstellung der Register auf der Lade wurde neu konzipiert. Die Voce
Umana rückte ganz nach hinten, um vorne Platz für das Zungenregister zu
schaffen. In der Regel standen solche Register direkt hinter dem
Prospekt, damit sie zum Stimmen gut zugänglich waren. Im 19. Jahrhundert
erweiterte man den Ambitus von Manual und Pedal. Die weitere Geschichte
des Instruments liegt im Dunkeln.
Im Jahr 1979 entdeckte der
Orgelbauer Gerald Woehl die Orgel bei einem Antiquitätenhändler in
Florenz. Nach vergeblichen Versuchen, in Deutschland einen
Aufstellungsort zu finden, kam 2001 der Verkauf an die Eastman School of
Music zustande und anschließend die Restaurierung durchgeführt. Der
Großteil des Pfeifenwerks, das Gehäuse und die Manual-Spielanlage sowie
die Windlade und die Bälge waren noch vorhanden; lediglich das Register
Tromboncini war verloren. Es musste (durch Giovanni Pradella) ebenso
rekonstruiert werden wie die Traktur für die Contrabassi. Die
offensichtlich unsachgemäßen Veränderungen des 19. Jahrhunderts wurden
beseitigt. Im Jahr 2005 erfolgte die Aufstellung in der Memorial Art
Gallery in Rochester. Dazu war es nötig den zentralen Ausstellungsraum
vollständig neu zu konzipieren. Nun steht die Orgel an der Stirnseite
gegenüber dem Zugang, umgeben von Gemälden italienischer und spanischer
Meister des 16. bis 18. Jahrhunderts.